Berlin Career College
Masterstudiengang Leadership in digitaler Kommunikation
Leadership-in-Digitaler-Kommunikation-Projekt-1-APP

Partizipationskonzept Nördliche Luisenstadt

Kurzbeschreibung

“Democracy is the possibility to disagree." Aufgabe war die Konzeption eines “dritten Raumes", eines digitalen Diskursraumes, der den Dialog zu kontroversen Stadtentwicklungsthemen visualisiert sowie Möglichkeiten zur demokratischen Partizipation schafft.

Fallbeispiel: Das Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt in Berlin Mitte/Kreuzberg.
Team: Marja Annecke, Henriette Lüderitz, Rea Novakovic
Projektzeitraum: 15.02. – 31.03.2013
Modul: Gestaltung I
Betreuung: Pia Betton, Dr. Ralf Grötker, Prof. Peter Friedrich Stephan

Hintergrund

Seit vielen Jahren ist die Wohnsituation in Berlin, für eine Stadt dieser Größenordnung, einzigartig. In kaum einer anderen Metropole Europas besteht noch die Möglichkeit, in den innerstädtischen Bezirken zu bezahlbaren Mieten zu wohnen. Doch Bezirke werden weiter saniert, die Mieten steigen, der Stadtentwicklungsdiskurs ist in vollem Gang.

Matter of Concern

Es geht um Sozialverträglichkeit und die Partizipation bei der Gestaltung des eigenen Stadtteils. Wie kann erreicht werden, dass die Anwohner des Berliner Sanierungsgebietes Nördliche Luisenstadt nicht von den Sanierungsplänen überrollt werden? Wie kann darüber hinaus ein digitaler Diskursraum geschaffen werden, der die Anliegen aller Beteiligten angemessen und transparent zur Geltung und in produktiven Austausch bringt?

Herausforderung

Es gibt in Berlin inzwischen viele Bürgerinitiativen in verschiedenen Stadtteilen, gegen steigende Mieten und das in Berlin extrem politisierte Gespenst der Gentrifizierung. Dabei scheint immer eindeutig zu sein wer die “Guten" und wer die “Bösen" sind – Bürger und Anwohner versus Stadt, Senat, Immobilienspekulanten und Investoren.
Wir glauben, dass Stadtentwicklung vor allem gemeinsam erfolgreich ist. Die Herausforderung liegt darin, eine Lösung für einen Dialog zu entwickeln, die auch für die anderen Beteiligten wie Politik und Investoren attraktiv ist.

Vision

Ansprüche auf demokratische Teilhabe müssen nicht nur gestellt und gewährt werden, sondern methodisch im Detail praktisch umsetzbar sein. Neu wäre: Bürger bündeln und artikulieren ihre Interessen auf neuem Niveau und werden damit attraktiver für andere und weiter denkende Investoren in neuartigen Partnerschaften. Interessenkonflikte sind damit nicht aus der Welt, aber es gibt einen Ort, einen “dritten Raum", um sie darzustellen und auszutragen.

Aufgabe

Die Entwicklung eines Partizipationskonzeptes zur Mitgestaltung aller Interessengruppen bei den Sanierungsplänen der Nördlichen Luisenstadt, beispielhaft anhand der Adalbertstraße in Mitte/Kreuzberg.

Die Idee

Es wurde ein digitales Plattformkonzept entwickelt, eine Website und eine mobile Smartphone-App: die Luise-App. Diese Tools werden allen Stakeholdern, vom Anwohner über den Hausbesetzer bis zum Investoren zur Verfügung gestellt und schließen niemanden aus.

Über Datenvisualisierung werden umfangreiche Informationen auf der Website dargestellt, z. B. zum aktuellen Status Quo der Sanierungspläne sowie zukünftige Planungen. Diese Transparenz ermöglicht einen offenen und interaktiven Dialog aller Beteiligten.
Senat und beteiligte Investoren können Informationen zu laufenden Projekten im Sanierungsgebiet über die Website selbst updaten. Über die App ist es für Bürger und Interessierte möglich, Vorschläge und Ideen zu leerstehenden Gebäuden und ungenutzten Flächen einzustellen und die Aktivität über ein Instantposting in ihren eigenen sozialen Netzwerken zu verbreiten, z. B. Facebook oder Twitter.
Wird ein neues Projekt eingestellt, wird automatisch ein Geolocation-Tag auf der Plattform gesetzt, sodass auch andere Nutzer über Dienste wie Instagram oder Foursquare auf die Aktion aufmerksam werden. Gleichzeitig wird die Idee redaktionell überprüft und nach Freischaltung eine visuelle Kennzeichnung in Form eines Schildes an dem Gebäude angebracht und so als teilnehmendes Projekt gekennzeichnet. Der visuelle Marker sorgt gleichzeitig dafür, dass vorbeilaufende Menschen auf das Sanierungsgebiet und die Pläne aufmerksam werden. Einige Objekte verfügen über einen Hinweis, dass eine Augmented-Reality-Funktion verfügbar ist und erlauben dadurch ein nahtloses Diffundieren der Offline- in die Online-Nutzung (Seamless User Experience). So kann zum Beispiel auf historische Details in dem Stadtgebiet aufmerksam gemacht und Geschichte erlebbar werden.

Darüber hinaus ermöglicht die Plattform das Abstimmen aller Interessierten zu einzelnen Projekten: Sobald ein Projekt zur Entscheidungsfindung freigeschaltet wird, kann diese ebenfalls über die Website erfolgen.

Analyse und Methode

In der Bearbeitung der Projektaufgabe wurden verschiedene Disziplinen und Methoden des Design Thinking und des Design Research berücksichtigt. Als übergreifende Methodik diente ein multidisziplinärer Service-Design-Prozess.

Die folgenden Phasen wurden innerhalb dieses Prozesses durchlaufen:


  • Exploration (Game Plan, Desk Research, Interviews),
  • Ideation (Costumer Journeys, Personas) sowie
  • Prototyping (Papermodels, Video zur Bedienung der App).

Anhand zweier konträrer Customer Journeys durch den Stadtteil wurden der Weg des Nutzers und seine Berührungspunkte mit der Luise-Plattform sowie die Nutzung der App beispielhaft gezeigt. Diese sind in ausführlicher Form unter dem unten genannten Link zur Präsentation einsehbar.

​Verweise/Quellen

Präsentation vom 19. März 2013 auf Slideshare